Vom letzten Platz zum Titel: SG Eintracht Schönfeld gewinnt den 8. Aepfler Cup

Veröffentlicht am 3. März 2026 um 18:24

Hintere Reihe von links nach rechts: Paul Müller, Max Krüger, Rico „The Wall“ Schmidt, Bennet Haase, Julian Kientopf, Niklas Gesse, Bengt Berkholz, Mischer-Harry

Vordere Reihe von links nach rechts: Phillip Scholz, Levi Müller, Jens Schulze, Till Knofe


Der Ball liegt auf dem Punkt.
Nicht „noch ein Schuss“. Der Schuss.

Rico Schmidt steht da, als würde die Welt für einen Moment kleiner werden. Nur er, der Ball, das Tor. Hinter ihm die Spieler, Arme auf den Schultern des jeweils anderen, in einer Reihe. Die einen schauen auf das Tor, die anderen starren einfach nur zu Boden. In der Halle hängt diese ganz besondere Stille, die es nur im Sport gibt. Keine Leere, sondern Spannung. Als hätte jemand die Luft angehalten.

Ein Atemzug.
Ein Schritt zurück.
Dann der Anlauf.

Und während er losläuft, schießt einem dieser absurde Gedanke durch den Kopf: Wenn er den macht, sind wir Turniersieger.
Und gleich danach kommt der andere: Wenn nicht …

Das ist der Moment, in dem du merkst, wie sehr du dich reingearbeitet hast. Wie viel das plötzlich bedeutet. Nicht nur ein Pokal. Eine Antwort.

Denn angefangen hat diese Geschichte nicht hier. Angefangen hat sie an einem Tag, an dem wir nach dem letzten Spiel wortlos unsere Sachen zusammengepackt haben und jeder wusste, das war gerade nicht einfach nur ein schlechtes Turnier. Das war ein Tiefpunkt.

Der Tiefpunkt: Schulze-Krause-Cup am 27.12.2025

Eine neue Truppe, noch nicht eingespielt, Aufgaben und Absprachen noch nicht klar. Und dann rollt so ein Turnier über dich drüber wie ein Zug, wenn du nicht rechtzeitig von den Gleisen wegkommst.

Erstes Spiel gegen den FSV Bernau: 0:7.
Zweites Spiel gegen SV Rot-Weiß Werneuchen: 0:4.
Drittes Spiel gegen den SV Beiersdorf: 1:5.
Und dann das Spiel um Platz 7 gegen SV Blau-Weiß Hirschfelde: 1:3.

Am Ende stand Platz 8, letzter Platz, mit einem Torverhältnis von 2:19.
Das tat weh und gleichzeitig sind es „nur Zahlen“. Was wirklich hängen blieb, war dieses Gefühl auf dem Feld: Du willst helfen, du willst es drehen, aber du greifst ins Leere, weil die Abläufe noch nicht da sind. Und je länger das dauert, desto schwerer werden die Beine. Nicht körperlich, sondern im Kopf.

Nach dem letzten Spiel an diesem Abend gab es keinen großen Knall, kein Drama.
Nur dieses Schweigen, das sich in eine Mannschaft legt, wenn alle dasselbe denken, aber keiner es aussprechen will: So kann das nicht bleiben. Und genau da lag die Dramatik. Nicht im Ergebnis, sondern in der Frage, die danach im Raum stand. Wird aus dieser Truppe überhaupt eine Mannschaft, oder bricht das hier auseinander, bevor es richtig angefangen hat?

Und dann kam genau dieser eine Satz, nicht laut, nicht heldenhaft, eher trotzig:

„So, nicht nochmal!“

Der Aufbruch: Maßnahmen statt Ausreden

Ab da war klar, wir können uns jetzt entweder erzählen, warum es nicht geht, oder wir machen das, was Mannschaften ausmacht, wir werden besser und lernen dazu.

Also wurde gehandelt.

Es wurden weitere Spieler dazugeholt, nicht als „Feuerwehr“, sondern als Verstärkung, damit wir Breite, Wechsel und Optionen bekommen.
Es wurden zusätzliche Hallentore gekauft. Klingt nach Kleinkram, ist es aber nicht. Das war ein Zeichen des Vereins an die Spieler: Wir meinen das ernst. Wenn du nicht nur antreten willst, sondern lernen, brauchst du Bedingungen, in denen Lernen möglich wird.
Und es wurde versucht, zusätzliche Trainingszeit anzubieten. Ja, das bedeutete Aufwand, Abstimmung und Organisation, aber genau das ist der Unterschied zwischen „wir hätten gern“ und „wir machen“.

Und irgendwo in dieser Phase passierte etwas, das man nicht planen kann.
Du fängst an, dich nicht mehr als Einzelner zu fühlen, der „mitspielt“, sondern als Teil von etwas, das wächst. Erst ganz leise. Dann immer deutlicher.

Neue Struktur, neue Haltung: Aepfler Cup am 13.02.2026

Diesmal war es nicht „die gleiche Truppe mit Hoffnung“, sondern von Beginn an spürbar anders. Es war das eine Gefühl, dass durch die Köpfe ging: „Wir sind besser aufgestellt.“

Drei Mannschaftsblöcke, die sich ständig durchwechseln konnten. Keine Eitelkeiten. Kein „ich muss durchspielen“. Jeder rein, jeder raus, jeder zählt. Diese Wechsel waren nicht nur Taktik, sie waren eine Haltung: Wir tragen das gemeinsam.

Die Vorrunde? Holprig. Zwei Unentschieden:
1:1 gegen Team Aepfler und 2:2 gegen die Altherrenmannschaft aus Rüdnitz-Lobetal.

Und diese beiden Unentschieden erzählen noch mehr, wenn man ehrlich ist. Beide Male waren wir vorne, mit 1:0 und sogar mit 2:0. Und beide Male passierte das, was in so einer frühen Turnierphase schnell passiert, wenn eine Mannschaft noch lernt. Am Ende der Spiele wurden wir unruhig. Wir spielten nicht auf Zeit, wir zogen nicht konsequent den Stecker und gaben den Gegnern nochmal Luft. Trotzdem, der Gruppensieg war weiter möglich.

Dann kam das dritte Vorrundenspiel gegen die Freizeitmannschaft des SV Rüdnitz-Lobetal, Endstand 2:0. Und plötzlich war da etwas Neues: Ruhe und Konzentration. Vor allem in der Abwehrarbeit nach einer Führung. Wir blieben kompakt, wir wurden klarer und mit dem besseren Torverhältnis stand sogar der Gruppensieg.

Die K.o.-Phase: Der Moment, in dem es klick macht

Es machte nicht klick, weil auf einmal alles leichter wurde, sondern weil die Mannschaft angefangen hatte, sich selbst zu tragen.

Im Viertelfinale gegen den FC Haase Schönow (Gruppenletzter der Gruppe B) wurde es ein echter Prüfstein, Endstand 2:1. Spielerisch waren wir besser, aber es war kaum ein Durchkommen. Es war ein Spiel, in dem du dich festbeißen musstest. Ein großer mentaler Kraftakt, die Ruhe zu bewahren, nicht hektisch zu werden, nicht mit dem Kopf durch die Wand, sondern dranzubleiben, bis sich die Lücke irgendwann öffnet.

Man merkte es auf dem Spielfeld, man merkte es auf der Bank:
dass einer den Zweikampf suchte und der nächste sofort da war.
dass Fehler nicht mehr zu Vorwürfen wurden, sondern zu einem „komm, weiter“.
dass der Ton auf dem Feld nicht hektisch war, sondern wach.

Dann das Halbfinale, das beste Spiel des Tages, gegen die Wilden Kerle, Endstand 4:1. Nicht „glücklich“. Nicht „irgendwie“. Sondern klar. Durchgehend dominant. Da war dieser Durchbruch, den es gebraucht hat. Diese Erkenntnis, dass jeder wusste, was der andere tat. Die Mannschaft hatte sich vor dem Finale gefunden und das sah man im Auftreten, in der Körpersprache und in der Ausstrahlung, wenn du weißt, dass es läuft.

Finale: Nerven, Mut und der letzte Schuss.

Im Finale wartete Energie Kopfnuss, ein Team aus Berlin. Und ja, man spürte die Nervosität in der gesamten Mannschaft. Ein fahriger Beginn und ein schneller Rückstand waren die Folge. Bis drei Minuten vor dem Ende stand es 0:2 für den Gegner.

Das war der Punkt, an dem eine Mannschaft entweder kippt oder nochmal enger zusammenrückt.

Die Wende brachte ein Neunmeter und der Anschlusstreffer. Plötzlich war wieder Leben drin. Und dann kam dieser Moment, den du nie vergisst: 12 Sekunden vor Schluss fällt der Ausgleich zum 2:2. Nicht schön, nicht geschniegelt aber genau so, wie es in solchen Spielen sein muss mit Willen, Glaube und dem letzten Druck.

Neunmeterschießen. Zwei Durchgänge, weil es nach den ersten drei Schützen immer noch unentschieden stand. Und wer das schon mal erlebt hat, weiß, das ist kein „Taktik-Thema“. Das ist pures Nervenspiel, wenn du plötzlich merkst, wie laut der eigene Puls ist.

Wir sind wieder am Anfang.
Ball auf dem Punkt, die Halle still.
Alle wissen, jetzt entscheidet sich wie diese Reise endet.

Beim letzten Versuch traf Energie Kopfnuss nur die Latte und genau da setzt unsere Geschichte ein. Rico am Punkt, ein Atemzug, ein Anlauf, ein letzter Schuss. Treffer: 6:5 nach Neunmeterschießen.

Der Torwart als Held. Nicht, weil er „glücklich“ getroffen hat, sondern weil er sich in diesem Moment hingestellt hat, als es am meisten gezählt hat. Aber möglich wurde dieser Moment nur, weil vor ihm eine Mannschaft gearbeitet, mitgelaufen, geblockt und sich gegenseitig getragen hat.  Jeder in seiner Rolle, ohne Ausreden.

Was bleibt:

1. Platz beim Aepfler Cup und die Auszeichnung zum Torwart des Turniers.

Ja, zwei Pokale. Aber vor allem ein Beweis, dass man ein katastrophales Turnier nicht schönreden muss. Man darf sich schlecht fühlen. Man darf enttäuscht sein.
Aber man kann dann entscheiden, was es wird, ein Ende oder ein Anfang.

Hier war es der Anfang.
Aus einer Truppe, die am Boden war, wurde eine Mannschaft, die zusammenstand und die im entscheidenden Moment wusste, dass sie einander vertrauen kann.


Sascha Verkoyen

Pressesprecher SG Eintracht Schönfeld e.V.