Spielszene beim 1. Autofit Wotschke Cup 2026 in Beiersdorf.
Der Ball liegt im Netz.
3:1.
Für einen Moment steht die Zeit still. Der Torwart des SV Beiersdorf, ausgestreckt auf dem Rasen, der Ball einen guten Meter hinter ihm. Und auf der anderen Seite unsere Mannschaft, die nicht jubelt wie nach irgendeinem Sieg. Sondern wie nach diesem einen.
Denn das hier ist kein Spiel um Platz 5.
Das hier ist das Derby.
Aber der Reihe nach.
Vorfreude und Bauchgrummeln
Angefangen hat der Tag mit diesem Gefühl, das man kennt und trotzdem nie ganz loswird. Vorfreude auf der einen Seite. Nervosität auf der anderen.
Die Mannschaft, mit der wir an diesem Morgen antraten, war neu zusammengestellt. Im Kern die Truppe, die schon den Aepfler Cup geholt hatte, aber ergänzt, aufgefüllt, verstärkt. Neue Gesichter, darunter auch der eine oder andere aus Berlin. Woher genau, das haben wir am Ende gar nicht mehr gefragt. Es spielte auch keine Rolle.
Was zählt ist, wenn du am Samstagmorgen die Tasche gepackt hast, im Auto sitzt und die Nervosität langsam nach oben kriecht. Nicht dein Wohnort im Vereinsregister. Sondern ob du zum Ball gehst, wenn er kommt. Ob du dein Team bedingungslos unterstützt, egal wie es steht, egal ob du viel spielst oder wenig. Und genau so ist aus einem harten Kern von Schönfeldern und ein paar Freunden des Vereins an diesem Tag wieder eine Mannschaft geworden.
Wir gingen als klare Außenseiter in den 1. Autofit Wotschke Cup 2026. Die anderen Mannschaften, allesamt im Ligabetrieb, geübt, eingespielt, wöchentlich im Wettkampf. Wir, ein Freizeitverein mit einer Truppe, die sich gerade erst zusammenfand. Man wusste, es würde schwer werden. Und man wusste nicht, ob diese neue Mannschaft rechtzeitig zueinanderfinden würde.
Spiel 1 gegen SV Jahn Bad Freienwalde – 0:1
Fünf Minuten brauchte die Mannschaft, um sich zu sortieren, um sich zu finden, um zu spüren, wer wo steht.
Dann aber stand die Null. Lange. Zu lange, dass man hätte glauben können, es reicht am Ende sogar für mehr. Klare Chancen wurden herausgespielt, ein Punkt, vielleicht sogar der Sieg, wäre absolut verdient gewesen.
Erst zwei Minuten vor Schluss fiel das Gegentor. Gegen den Gegner, der am Ende das gesamte Turnier gewinnen sollte.
Eine Niederlage, die sich nicht wie eine Niederlage anfühlte. Denn was blieb, war die Gewissheit: Diese Mannschaft hat sich gefunden. Schneller, als irgendjemand von uns zu hoffen gewagt hatte. Die Vorfreude auf das zweite Gruppenspiel war entsprechend groß.
Spiel 2 gegen SV Blau Weiß Ladeburg – 3:2
Und dann diese ersten zehn Minuten.
3:0.
Die Mannschaft wusste von der ersten Sekunde an, was sie wollte. Sauberes Herausspielen von hinten, schnelle Konter, die Stürmer in die Lücken geschickt, die sich auftaten. Es lief einfach.
Was danach kam, kennt man aus dem Fußball zur Genüge. Bei einer klaren Führung lässt die Konzentration hier und da nach und es schleichen sich kleine Ungenauigkeiten ein. Zwei Gegentore waren die Folge. Am Ende stand ein 3:2. Man ärgerte sich, keine Frage. Aber vor allem freute man sich, über den Sieg, über den sichtbaren Spaß, den die ganze Mannschaft an diesem Spiel hatte.
Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnte: Genau diese zwei Gegentore sollten am Ende über alles entscheiden.
Spiel 3 gegen Brian & Jungstars – 0:0
Die Ausgangslage vor dem letzten Gruppenspiel war schonungslos klar. Sieg, oder keine Finalrunde.
Entsprechend spürbar war der Druck, gerade zu Beginn, gegen eine junge, tempostarke Mannschaft aus Beiersdorf. Es entwickelte sich ein Spiel der Antworten, auf beiden Seiten. Klare Chancen hier, klare Chancen dort. Beiersdorf traf gleich mehrfach Pfosten und Latte. Unter uns Zuschauern macht eine alte Fußballweisheit die Runde: Wer seine Tore nicht macht, kriegt am Ende welche rein. So hofften wir auf den einen entscheidenden Angriff. Den einen Fuß, zum richtigen Zeitpunkt am Ball.
Kurz vor Abpfiff gab es diese letzte Chance. Eine scharfe Hereingabe, ein Fuß zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle. Doch der Ball ging Zentimeter am Tor vorbei.
0:0.
Das bedeutete: dritter Platz in der Gruppe, vier Punkte, punktgleich mit Brian & Jungstars. Nur die Tordifferenz entschied, und zwar gegen uns. Kein Halbfinale. Das Spiel um Platz 5.
Spiel um Platz 5 gegen SV Beiersdorf – 3:1: Das Derby
Die erste Reaktion war Enttäuschung. Man hatte sich mehr erhofft, mehr erarbeitet als am Ende nur ein Platzierungsspiel.
Doch die Enttäuschung hielt nicht lange. Denn dann wurde klar, gegen wen es ging.
SV Beiersdorf.
Die Nachbarn. Zwei Dörfer, die nebeneinanderliegen, die sich kennen, die sich das ganze Jahr über auf den Straßen, bei der Arbeit, in der Freizeit begegnen. Und jetzt, an diesem Nachmittag, auf dem Platz. Das Lokalderby und ein sich schließender Kreis. Rückblick, Dezember 2025 Schulze & Krause Cup: Es war eben jenes für uns katastrophale Turnier, dass den Startschuss für alles legte. Für den Aufbau einer neuen Mannschaft, für den Sieg beim Aepfler Cup. Damals schickte uns der SV Beiersdorf mit 1:5 vom Platz. Es war Zeit für die Revanche.
Wer beide Orte kennt, weiß, was das bedeutet. Die Stimmung am Rand, bei den Zuschauern, den Familien, den Vereinskollegen, war auf ihrem Höhepunkt. Und auf dem Platz war sie es genauso.
Unsere Mannschaft ging früh in Führung. Musste dann aber den Ausgleich zum 1:1 hinnehmen, diesen kurzen Moment, in dem man spürt, wie das Spiel kippen könnte. Aber sie blieb dran. Blieb konzentriert, blieb klar in den Aktionen, ließ sich nicht anstecken von der Nervosität, die ein Derby immer mit sich bringt.
Und dann, Tor um Tor, wuchs daraus ein 3:1. Verdient. Klar.
Der 5. Platz fühlte sich an diesem Nachmittag nicht an wie ein 5. Platz. Es war unser Derbysieg, der zählte, und den nimmt uns keiner mehr weg. Beste Torschützen des Tages: Marko Schink und Lenny Turner, mit je zwei Treffern.
Was bleibt
5. Platz beim 1. Autofit Wotschke Cup 2026. Auf dem Papier ein Mittelfeldplatz.
Und trotzdem: ein riesiger Erfolg.
Denn was an diesem Tag wirklich zählte, war nicht die Tabelle. Es war, dass wir es wieder geschafft haben, eine schlagkräftige Mannschaft auf den Platz zu stellen, egal, wer aus welcher Ecke dazugestoßen war, eine, die füreinander lief und sich gegenseitig trug.
Genau das ist es, was Fußball kann, wenn man ihn lässt. Er verbindet Menschen.
Sascha Verkoyen
Pressesprecher SG Eintracht Schönfeld e.V.
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